Die Projekte

Die von CardoVerde unterstützten Projekte liegen vorwiegend in den Feuchten Tropen Lateinamerikas sowie in Ostafrika unter eher trockenen Bedingungen. Meistens sind Schulen mit eigenen landwirtschaftlichen Flächen involviert, so dass in der Regel eine Infrastruktur sowie längerfristige Projektleitung vor Ort gegeben sind. Ein wichtiges Ziel besteht darin, die Familien der Schüler:innen einzubeziehen, damit diese ihre Erfahrungen einbringen und neue Praktiken kennenlernen können. Nach Möglichkeit werden die Projektteams in vergleichbaren ökologischen Regionen vernetzt und die Beobachtungen bei der Erprobung von Pflanzenarten und Praktiken im Anbau dokumentiert sowie wechselseitig zur Verfügung gestellt. Nachfolgend werden einige Projekte als Beispiele vorgestellt.

Ernährungssicherung bei den Shawi in Peru

Treffen der Delegationen von 3 CRFAs (Anm: Centro de Formación en Alternnancia) aus Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter:innen in Antioquía im November 2025 zum Austausch und zur Planung der Arbeit im Jahr 2026.
Mitglieder der Shawi der 3 CRFAs in der Region Alto Amazonas bei einer Veredelungsübung
CardoVerde unterstützt beratend und finanziell drei Sekundarschulen in der Provinz Alto Amazonas im nördlichen Amazonasgebiet von Peru. Die Schüler:innen sind überwiegend Indigene des Pueblo Indígena der Shawi. Die Schulen werden nach dem Konzept der „Formación en Alternancia“ geführt: Zwei Wochen Internat wechseln mit 2 Wochen in der eigenen Familie. Damit eröffnet sich auch Kindern in sehr abgelegenen Regionen die Möglichkeit, eine weiterführende Schule besuchen zu können, ohne in eine Stadt ziehen zu müssen.

Das Ausbildungskonzept wurde in Peru von der NGO ProRural ab 2002 eingeführt und hat einen eigenen Status im Bildungssystem des Landes. Die unterstützten CRFAs (Centro de Formación en Alternancia) verfügen über größere Flächen und landwirtschaftliche Themen sind Teil des Curriculums. Die Kooperation mit CardoVerde zielt darauf, innovative Praktiken in der fachlichen Ausbildung der Schüler:innen einzuführen und die Eigenversorgung mit Lebensmitteln in ihrer Vielfalt und Qualität zu verbessern.
Verschiedene Pflanzen zur Gründüngung als auch zur Nahrungsversorgung werden zunächst in einem „Beobachtungsgarten“ erprobt, wobei jeweils 3-4 Schüler:innen eine kleine Parzelle von 4 x 4 Metern pflegen und ihre Beobachtungen dokumentieren. Von den Arten, die mit den Bedingungen des Standortes gut zurechtkommen, wird Saatgut zur weiteren Verbreitung in der Region erzeugt.

Nach gemeinsamer Anlage von Agroforstparzellen übernehmen 3-4 Schüler:innen des ersten Jahrganges einen „Block“ von 16 x 32 Metern und pflegen diesen mit Anleitung über die 5 Jahre ihrer Schulzeit. Die agroforstlichen Praktiken orientieren sich an den von Ernesto Götsch entwickelten Prinzipien der „Dynamischen“ bzw. „Syntropischen“ Agroforstwirtschaft -Quelle. Die Schüler:innen können schon während ihrer Schulzeit die ersten Früchte „ihrer“ Bäume ernten.

Der aktuelle Schwerpunkt der Kooperation betrifft das CRFA Nueva Esperanza. Durch gemeinsame Treffen und Workshops mit Delegationen der CRFAs Antioquía und Pucallpillo wurden die Innovationen auch dort aufgegriffen. Es ist ein strategisches Ziel der Zusammenarbeit zwischen ProRural und CardoVerde, die Vernetzung und den Austausch sich bewährender Praktiken und Vorgehensweisen zwischen den CRFAs mit ökologisch vergleichbaren Rahmenbedingungen zu fördern.

Die Kooperation von CardoVerde mit ProRural wurde vom Okt. 2023 bis Dez. 2024 mit 25.000 Euro aus dem Kleinprojektefonds des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) unterstützt und von der Schmitz-Stiftung abgewickelt.

Innovative Landwirtschaft und Eigenversorgung einer Schule in Mexiko

Eine Gruppe von jungen „Landwirten“ in der Schule „Villa de los Niños“ bei Guadalajara, Mexiko.

Schüler bei der Feldarbeit

Das zentrale Anliegen der Kongregation der Hermanas de Maria (die Schwestern Maria) ist es, Kindern aus ärmsten Verhältnissen eine Sekundarausbildung zu ermöglichen. Die Schwestern leiten große Internate in verschiedenen Ländern Lateinamerikas sowie ihrem Hauptsitz in den Philippinen, und seit 2019 auch in Tanzania. Die Zusammenarbeit mit CardoVerde begann bei der Jungenschule in der Nähe von Guadalajara in Mexiko mit rund 2000 Schülern. Die Schule verfügt über größere landwirtschaftliche Flächen und auch über einige Gewächshäuser, die als Erfahrungsfeld für die Schüler sowie zur Eigenversorgung mit erntefrischen Lebensmitteln hoher Qualität genutzt werden.

CardoVerde unterstützt den Standort durch fachliche Beratung sowie Finanzmittel, vorwiegend für Saatgut, Baumpflanzen und Geräte. Mit etwa 4 Monaten ist die Regenzeit in Guadalajara vergleichsweise kurz, so dass die effektive Nutzung der Ressource Wasser eines der zentralen Themen des Standortes ist. Ein Schwerpunkt in der Anfangszeit war deshalb die Erprobung verschiedener trockentoleranter Pflanzen mit anschließender Saatgutvermehrung von sich bewährenden Arten. Dabei gilt das Kriterium, dass die Pflanzen nicht nur eine gute Ernte ergeben, sondern auch viel organisches Material als Mulch und „Futter“ für die Mikroorganismen des Bodens hinterlassen. Besonders bewährt haben sich die Leguminosenarten Cajanus cajan, Dolichus lablab und Canavalia ensiformis; aktuell in der Erprobung sind Tithonia und Sorghumsorten.

Nachdem 2025 die Pachtverträge der Gewächshäuser ausliefen, liegt der derzeitige Arbeitsschwerpunkt bei der Rekultivierung und Eigennutzung der Flächen in den Gewächshäusern. Die ersten größeren Ernten von Gemüsearten sind bereits eingebracht. Die Schüler arbeiten in Gruppen organisiert auf freiwilliger Basis mit. Für alle ist der Kontakt zum Boden, zu den Pflanzen und Tieren eine wohltuende Ergänzung zum schulischen Lernen.
Angeleitet werden die Schüler von zwei Angestellten mit landwirtschaftlicher Ausbildung sowie einem im ökologischen Landbau erfahrenen Berater, der von CardoVerde finanziert wird.

Neben dem Pflanzenanbau wurden weitere Arbeitsfelder aufgebaut. Inzwischen werden auch Hühner, Schweine und Bienen gehalten sowie aus den organischen Abfällen der Küche Wurmkompost hergestellt.

Nachhaltiger Kaffeeanbau in Kenia

Das Team von OTEPIC in Kitale Kenia

Erntereste als organische Masse zum Mulchen

CardoVerde begleitet die lokale Organisation OTEPIC beim Aufbau eines diversifizierten Agroforstsystems, in dem Kaffee als Hauptkultur gezielt mit Schatten-, Frucht- und Biomassebäumen kombiniert wird. OTEPIC (Anm: Organic Tecnology Extension and Promotion of Iniciative Centre) hat seinen Sitz in Kitale im Nordwesten Kenias und unterstützt Kleinbauernfamilien – insbesondere Frauen und Jugendliche – durch die Förderung von Permakultur und ökologisch nachhaltige Landwirtschaftsmethoden.

Das Agroforstsystem dient zudem als Demonstrationsfläche und zeigt praxisnah, wie eine nachhaltige Kaffeeproduktion in der Region umgesetzt werden kann. Dadurch entstehen klimaresiliente, ökologisch stabile und wirtschaftlich tragfähige Anbausysteme, die langfristige Perspektiven für Mensch und Umwelt schaffen. Zusätzlich fördert CardoVerde den aktiven Austausch zwischen Bäuerinnen und Bauern, indem Begegnungen, Schulungen und praxisnahe Seminare vor Ort ermöglicht werden. Der wechselseitige Wissenstransfer, der Austausch von Erfahrungen und Saatgut sowie gemeinsames Lernen stehen dabei im Mittelpunkt.

Arrow right icon
This site is registered on wpml.org as a development site. Switch to a production site key to remove this banner.